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23. September 2017 - Eröffnung des neuen Gemeindezentrums mit einer Ausstellung zur Geschichte des ehemaligen Augustiner-Eremiten-Klosters Eisleben und der Reformation

DER ORT
1511 gründete Graf Albrecht IV. von Mansfeld-Hinterort (1480–1560) auf dem „Acker vor dem Neuendorf“ die Neustadt Eisleben und stiftete zwei Jahre später die Kirche St. Annen als geistlichen Mittelpunkt der Bergmannsstadt. 1515 entstand hier ein Augustiner-Eremiten-Kloster. Seine Geschichte währte kaum acht Jahre. Denn mit der Verbreitung der reformatorischen Lehre Martin Luthers (1483–1546), der als Augustinermönch die Gründung des Klosters noch mitbegleitet hatte, war sein Untergang schon wieder besiegelt. Zwischen Januar und Februar 1523 verließen die Mönche das Kloster oder traten vor Ort in den Dienst der Reformation. Auf Initiative des ehemaligen Priors Caspar Güttel (1471–1542), den Martin Luthers Schriften stark beeindruckten, wurde St. Annen mit Unterstützung des Grafen Albrecht IV. zu einem wichtigen Schauplatz der Reformation und die St. Annen Kirche die erste evangelische Kirche im Mansfelder Land.

Spuren dieses rasanten geistlichen Umbruches finden sich noch heute an vielen Stellen in St. Annen. Geschichte und Architektur von Kloster und Kirche dokumentieren den Übergang von der spätmittelalterlichen Frömmigkeitskultur zur reformatorischen Praxis im Mansfelder Land: Der Bau des Klosters wurde nicht vollendet, aus dem großen Klausursaal im Erdgeschoss wurde eine Schule und aus den Räumen im ersten Obergeschoss und den Mönchszellen wurden Wohnräume für Kirchenbedienstete.

Die staatliche Denkmalpflege sorgte sich stets um die Bewahrung des Klostergebäudes.
Im Jahr 2007 konnte durch dendrochronologische Untersuchungen bestätigt werden, dass die Mönchszellen im Dachstuhl nahezu ungestört in ihrer originalen Bausubstanz von 1516 erhalten sind und sich damit die einzigen authentischen Räumlichkeiten aus der Lutherzeit in Eisleben in St. Annen erhalten haben. Auch aufgrund dieses spektakulären Befundes folgten bis 2017 auf Veranlassung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und mit engagierter Unterstützung der Kirchgemeinde St. Annen umfängliche archäologische und bauhistorische Untersuchungen und Rekonstruktionsmaßnahmen auf dem Gelände. So bietet der Komplex von St. Annen mit seiner Ausstellung den Besuchern heute einen neuen, unverbauten Blick auf seine spannende Geschichte.
DIE AUSSTELLUNG
Der Geschichte St. Annens in dieser unruhigen und spannenden Zeit des geistlichen und gesellschaftlichen Wandels ist nun eine Dauerausstellung in den Räumen des ehemaligen Augustiner-Eremiten-Klosters gewidmet. Sie vermittelt die historische und kirchenpolitische Bedeutung von Kloster und Kirche mit ihrer spannenden Baugeschichte und ergänzt somit die Ausstellungen in den Eisleber Luthergedenkstätten auf spannende Weise.

Bevor der Besucher im Dachgeschoß die original erhaltenen Mönchszellen als Höhepunkt der Ausstellung besichtigen kann, wird er mit der Geschichte der Augustiner-Eremiten und mit den entscheidenden Akteuren der Reformationszeit im Mansfelder Raum vertraut gemacht, darunter die Reformatoren Martin Luther und Caspar Güttel sowie der Reformationsgraf Albrecht IV. von Mansfeld-Hinterort und seine Schwiegertochter Margareta. Hörstationen mit O-Tönen der Reformationszeit, visuelle Inszenierungen und ein Ausflug in die Liederwelten Martin Rinckarts, der in St. Annen bedeutende Bergmannslieder schuf, runden die Ausstellung ab.

Für das inhaltliche und visuelle Gesamtkonzept der Ausstellung zeichnet das Zentrum für Mittelalterausstellungen Magdeburg in Zusammenarbeit mit dem Büro Inside Grafik aus Halle/Saale verantwortlich. Die wissenschaftlichen Texte verfassten der Berliner Historiker Dr. Lothar Berndorff und der Bauhistoriker Rainer Schmitt aus Halle/Saale.

Das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt stellt Grabungsfunde aus den baubegleitenden Grabungen im Klosterkomplex als Leihgabe zur Verfügung. Die Umsetzung der Ausstellung wurde von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung ermöglicht. Möglich wurde die Ausstellung aber vor allem durch das große Engagement der Gemeinde St. Annen, darunter Pfarrer Christoph Hellmich und Dr. Joachim Rost, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates.

        


ÖFFNUNGSZEITEN
Die Kirche ist zur Besichtigung und zum Gebet geöffnet:
vom 1. April bis 12. November von Mo - Sa 10 - 16 Uhr, So 11.30 - 16 Uhr
vom 13. November – 31. März von Mo - Fr, 10 - 16 Uhr, bitte im Gemeindebüro, Annenkirchplatz 2, klingeln und sonntags nach dem Gottesdienst.
Die Öffnungszeiten gelten auch für das Kloster.
Für eine Besichtigung der St. Annenkirche erheben wir keinen Eintritt. Wir bitten Sie um eine Spende von 2.- €, die stets für die Erhaltung und Ausstattung der Kirche verwendet wird.
Für die Besichtigung des Klosters erheben wir eine Gebühr von 2,-€.

Den Besuch von Gruppen bitte vorab anmelden. Führungen auf Anmeldung möglich.

ANSPRECHPARTNER
Evangelische Kirchengemeinde St. Annen
Telefon: (03475) 604115
Fax: (03475) 604115
st.annen-eisleben@freenet.de